Reiseblog von Bine und  Sepp 

 

Teil 3 - Tabernas, Ronda

19.02.2024

Die Strecke bis Almeria war wunderbar. Wir sind an zig Feldern mit blühenden Mandelbäumen vorbeigefahren und Zitrusplantagen soweit das Auge reichte, ein tolles Farbspiel.
Da sich der ->Platz „Little Texas“ die Zufahrt mit einem Schweinezüchter teilt, kann man ihn erst ab 15 Uhr befahren, vorher ist das Tor zu. Wir kamen vorher an, also versuchten wir es erstmal im Route 66. Der hatte heute Ruhetag und hat uns auch nicht so getaugt, also zogen wir um 15 Uhr um und bekamen noch ein schönes Plätzchen in Little Texas. Der hat doch glatt einen solarbeheizten Pool. Also nix wie rein in die Fluten und das 25 Grad warme Wasser genießen. Draußen hatte es heute in der Sonne locker 30 Grad.

Ganz in der Nähe gibt es auch eine Rennstrecke. Da muss logo Sepp morgen mal hin. :-D

Nun waren wir also da mitten in der Wiege der Italo-Western!
Aber nicht nur die wurden in dieser Gegend gedreht, auch jede Menge Hollywood-Blockbuster wie Indiana Jones, Lawrence von Arabien, Conan der Barbar, Spiel mir das Lied vom Tod UND auch „Der Schuh des Manitu“!!! Aber die Gegend sieht auch wirklich original aus wie Arizona. Man kann sich gar nicht vorstellen, dass wir mitten in Andalusien sind.

Auf dem Weg zum Route 66 fuhren wir hinter einem Morello mit ebenfalls einen Smart-Cabrio im Schlepptau und dort standen wir auch kurz nebeneinander. Die gingen essen und wir zogen um.
Zum Abend machten wir noch eine Orientierungsfahrt zu den Westerndörfern und siehe da, wenn treffen wir im Oasys Mini Hollywood, die zwei wieder. Oh Mann hatten die da einen schönen Freistehplatz! Absolut genial vor dem tollen Bergpanorama. Muss das ein fantastischer Sonnenuntergang gewesen sein. Irre! Da ärgere ich mich dann schon bissl, dass ich so ein Freisteh-Schisser bin. Dort würde sogar ich mich traun frei zu stehen. Toll!

In Tabernas stehen als Dekoobjekte eiserne Regiesessel in einer Reihe mit lauter sehr bekannten Namen. Schon echt faszinierend!

Wieder ein wunderbarer Tag ist zu Ende gegangen und wir sind sehr gespannt was uns hier morgen erwartet.


20.02.2024

Der Platz „Little Texas“ ist wirklich eine Schau. Es gibt auch frisches Gebäck morgens und das ist tatsächlich noch warm und extrem lecker, wird immer morgens vor Ort frisch gebacken. Der Eric baut gerade eine schöne Bar. Der kleine familiäre Platz ist jetzt schon super, aber könnte noch schöner werden, wenn das alles fertig ist. Denke, da müssen wir nochmal wiederkommen! Etliche nette Leute haben wir hier auch kennengelernt.

Dann mal rein in die Wüste von Tabernas.
Es ist die einzige natürliche Wüste in Europa und seit 1989 ein Naturschutzgebiet.
Rund um Tabernas ließen Sergio Leone und andere Regisseure und Produzenten ursprünglich vierzehn Westerstädte erbauen. 3 davon kann man noch gegen Eintritt besichtigen und liegen alle sehr nah beieinander. Von unserem Camp warens rund 15 km.  Da wäre das Fort Bravo mit dem berühmten Schriftzug. Dort werden auch heute noch Filme gedreht. Allerdings ist es auch das teuerste und diese kitschigen Shows brauchen wir nicht wirklich. Das haben wir uns also geschenkt und nur Paula einen Rundflug machen lassen. 

Dann das Oasys Mini Hollywood, wo wir schon gestern vorbeigeschaut haben. Das dient nur noch touristischen Zwecken, aber ist nur am Wochenende offen mit Programm. Hier haben wir auch Paula fliegen lassen. 

Das Westerdorf Western Leone wollten wir dann besuchen. Es ist wohl auch nur noch für Touristen da, aber zumindest gibts hier nicht diese komischen Shows. Der Eintritt mit 12 EUR/Person (inkl. einem Getränk) war auch ok. Hat uns gut gefallen. Man könnte zwar durchaus ein bissl mehr draus machen, aber was solls, war gut! Am schönsten war die spektakuläre Landschaft außen rum.

Auf der Rückfahrt schauten wir uns noch mit Paula die Castel-Ruine von Tabernas an.

Ja und dann wollte Sepp natürlich noch auf die Rennstrecke. Wen wunderts, solche Schilder irgnoriert Sepp natürlich geflissentlich ...

und so waren wir plötzlich mitten drin im Fahrerlager, konnten hautnah die Motorradrennen anschaun und alle waren natürlich ganz verliebt in Emma und niemand hat gefragt. :-D Aber Fotos stell ich nicht hier rein, wer weiß ....

Von den Reisegefährten gestern haben wir noch einen Essentip bekommen. Gleich neben dem Route 66 gibts eine ganz unscheinbare Kneipe in der man fantastisch spanisch unter lauter Einheimischen supergünstig essen kann. Da wollten wir hin und es hat sich sowas von gelohnt! Hier hab ich endlich meine Paella bekommen. Hat alles hervorragend geschmeckt und 3 Gänge mit Getränken und Kaffee am Schluss kostete für uns zwei 26 EUR. Unglaublich!!! Ein echter Geheimtipp!

Dann gabs noch den vielgerühmten Sangria bei Eric und der ist nicht umsonst vielgerühmt. Auch sehr lecker und die letzten Sonnenstrahlen heute genießen.
Sepp ist auch noch in den Pool gesprungen.

Ich wollte dann nochmal los, paar Sonnenuntergänge über der Wüste fotografieren.

Ja und morgen gehts schon wieder weiter nach Ronda. Allerdings hätten wir nicht mit lieben Insta-Bekannten in Ronda ausgemacht, wir würden hier wohl verlängern. Hier haben wir zu wenig Zeit eingeplant. Es gäbe hier noch so viel anzuschaun. Da wäre die schöne Stadt Sorbas mit ihren Höhlen und wir würden auch gerne über Guadix und zu den Höhlenwohnungen dort schaun, aber das geht zeitlich nicht. Wir müssen unbedingt bis Mittag in Ronda sein und es sind gute 300 km!

21.02.2024

Hatte es schon verschiedene Male gelesen, dass Ronda so ein Hotspot ist und es dort schwierig sei, einen Platz zu bekommen. Hatte mir deshalb schon 4 Plätze rundherum rausgesucht. Aber gerade jetzt stellte sich raus, dass liebe Insta-Bekannte, die zu Hause auch noch gar nicht weit weg wohnen (ein Treffen haben wir aber bislang nicht zustandegebracht), just gerade jetzt in Ronda sind. Ich schrieb Petra, dass wir heute auch dort sein wollten und sie haben doch tatsächlich verlängert und uns einen Platz reserviert.
Wir versprachen morgens so bald wie möglich aufzubrechen, weils ja doch rund 350 km waren. Wir sind gut weggekommen. Um 8 Uhr waren wir unterwegs, was bei diesem Platz gar nicht so einfach war, aber gut.

Die Autobahn über das Landesinnere schlicht ein Traum. Die Landschaften, die wir heute durchfahren haben großartig! Da war erst noch die Wildwestlandschaft, dann kam langsam Guadix mit den Höhenwohnungen und den tollen roten Felsen und Felsformationen, dann Zitrusplantagen  abwechselnd mit ganzen Feldern blühender Mandelbäume und schließlich  die überaus grüne und blühende Landschaft rund um Ronda. Wir hätten uns Andalusien viel karger vorgestellt, waren total überrascht wie grün und farbenfroh Andalusien ist und dazwischen die schneeweißen Orte. Könnte total schwärmen!
In Ronda warteten dann im ->Área de Autocaravanas Ciudad de Ronda bereits Petra und Peter. Wir haben uns total gefreut. Ich schreibe mit Petra schon sehr lange und zu Hause haben wir schon mal telefoniert. Persönlich wars nun auf anhieb als würden wir uns schon ewig kennen. :-) Wir verabredeten uns für abends und sobald wir uns heimisch eingerichtet hatten, trabten wir los. Es hieß am besten per pedes, also… Bis zur berühmten Brücke sollten es knapp 3 km sein und der Weg ging direkt auch gleich an den bekannten riesigen Bildern an den Häusern vorbei.

Dann begann langsam die Fußgängerzone. Ronda ist eine wirklich extrem gepflegte saubere Stadt, da findest du auf den Straßen kein Fitzelchen Müll oder Unrat. Das ist schon mal ein Extremunterschied zu Italien. 

Ronda ist eine wirkliche Schönheit und eine der ältesten Städte Spaniens. So mit diesen Häuserfassaden stellte ich mir eine spanische Stadt vor.

Sie hat eine atemberaubende Lage auf einem Berg oberhalb einer tiefen Schlucht (El Tajo), die die Neustadt von der Altstadt aus der Zeit der maurischen Herrschaft trennt.
Die Puente Nuevo, diese gigantische Steinbrücke über der Schlucht ist ein fantastischer Anblick und ebenso die Ausblicke über die Schlucht und ins Land. Sehr sehr besonders!  Erbaut im 18. Jahrhundert, ist sie 98m hoch und war bei ihrer Eröffnung die höchste Brücke der Welt.

Unsere ersten über 10000 Schritte und über 7 km in Ronda waren schon mal ein Volltreffer!
Nach unserer Rückkehr hatten wir einen sehr sehr netten Abends mit Petra und Peter und freuen uns schon jetzt auf ein Wiedersehen!


22.02.2024
Für diese Gegend hatte ich noch Setenil de las Bodegas fix auf der Liste. Nachdem das Wetter heute viel viel besser war als angekündigt, nix wie los. Aus Erfahrung schiebe ich generell nie mehr was auf. Ich schau immer, wenns Wetter passt, alles mögliche gleich abzuhaken, weils uns schon zu oft passiert ist, dass es dann wettermäßig einfach nicht mehr möglich war.
Außerdem heißt es, dass Setenil oft tourimäßig total überlaufen ist und heute war Donnerstag, also sicher besser wie die nächsten Tage!
Es war eine gute Entscheidung und dieses Setenil mit seinen in die Felsen gebauten Häuser und Höhlenwohnungen auch wieder ein ganz besonderer Anblick. Matera lässt da ein wenig grüßen. Ich könnte mir vorstellen, dass Setenil bei Sonnenuntergang ein ähnlich faszinierender Anblick ist. Leider finden meine Knie diese tausend Stufen gar nicht spassig, deshalb sind wir nicht die ganze Stadt abgelaufen, aber ich denke, die schönsten Ecken haben wir erwischt und an der Kirche ganz oben waren wir auch. Von da ist der Blick in die Schlucht oder Canyon auch wieder sagenhaft (ich weiß ich wiederhole mich nun schon dauernd).

Heute haben wir uns auch mal Tapas in einer kleinen Bar mit grandioser Aussicht gegönnt. Haben uns für Migas und Albondigas entschieden. Migas wird aus alten Brotkrümeln und Olivenöl, Knoblauch, Chorizo, Speck, Paprika gebraten und hat mir total geschmeckt. Das ist mal ne neue Idee für Resteverwertung und angeblich hat da sowieso jede Frau ihr eigenes Rezept, also im Endeffekt frei Schnauze.  Das mach ich sicher auch mal. Die Albondigas sind Hackfleischbällchen und haben auch sehr lecker geschmeckt. Vor allem gefallen mir hier die kleinen Schälchen. Das ist ideal für uns  (finde ich) und reicht vollkommen. Bei Sepp brauchts aber noch ein bissl Überzeugungsarbeit. ;-)

Hatte dann noch von einer Einsiedelei bei Ronda gelesen, von wo aus man einen genialen Blick auf Ronda mit den Steilfelsen hat. Auch das war ein Volltreffer und Paula und sein Pilot haben uns wieder nicht enttäuscht. Eine völlig andere Perspektive.
Von hier aus  sah man auch die in der Neustadt gelegene Plaza de Toros, die legendäre Stierkampfarena aus dem 18. Jahrhundert gehört zu den hervorstechendsten Wahrzeichen der Stadt.


23.02.2024
In der Nacht hats geregnet und es hat so dermaßen abgekühlt, dass heute plötzlich alle mit Daunenjacke und Mütze unterwegs waren. Irre, tags zuvor konnte man mit Badeanzug draußen liegen und heute sind wir mit Mütze und dick eingepackt losgeradelt. Tatsächlich hätte ich auch noch gut Handschuhe vertragen können. Das ist schon heftig.
Aber bin heute auf meine Knie sauber stolz. Wir sind die ganze Altstadt von Ronda abgelaufen und sogar ganz runter zu den arabischen Bädern.

Das war wirklich sehr beeindruckend, was die damals schon bewerkstelligt haben. Die Bäder waren voll unterkellert und wurden von da beheizt, so gab es praktisch schon eine Fußbodenheizung. Man fing immer mit dem heißen Raum an und schloß mit dem kalten ab und diese Durchgänge dann mehrmals. Es gab sogar fließendes Wasser durch ein von einem Esel angetriebenen Schöpfwerk. Neben der rituellen Reinigung ging man dort für Meetings hin, aber auch einfach zum Radschen und um eine gute Zeit zu haben. Man verbrachte dort Stunden. In einem guten Film haben sie animiert wie das damals wohl ausgesehen hat und zugegangen ist. Sehr interessant und der Pensionisten-Eintritt von 3 EUR/Person super investiert.
Beim Aufstieb wieder zur Stadt hoch sind uns noch ganz versteckt diese beiden Schönheiten aufgefallen. Sie wußten wie schön sie sind, solche Poser die beiden. :-D


Dann noch eine von Petra empfohlene Tapas-Bar, wo wir am Nebentisch Vater und Sohn kennengelernt und uns super unterhalten haben. Der Vater lebt in Israel, der Sohn in New York und sie treffen sich in der Mitte hier in Ronda für eine Woche. Total witzig!

Sepp kann sich noch nicht 100% mit den Tapas anfreunden. Dabei find ich die kleinen Schälchen so genial, könnten wir so gut teilen, aber so hat halt Sepp wieder einen Burger gegessen und ich einmal Anchovis in Vinegar, Ibérico Jamón mit Melone und einen Miniburger. Aber unsere Nachbarn hatten glaub ich 4 oder 5 Gänge, die sie sich immer geteilt haben. Echt schön anzusehen.

Übrigens, haben wir heute erfahren, in Spanien gilt generell Helmpflicht auf Fahrrädern außerhalb geschlossener Ortschaften. Innerhalb auch für Kinder unter 16 Jahren.


Teil 4